Es ist schön zu sehen, dass so viele auf die Demo gekommen sind, um sich mit dem verletzten Genossen zu solidarisieren, denn getroffen wurde er, doch gemeint sind wir alle!
In der Nacht vom 20. auf den 21. Juni wurde im Fridtjof-Nansen-Weg in Göttingen unser Freund und Genosse mit mehreren Stichen in den Brustbereich von einem Jungfascho niedergestochen. Dass er diesen Angriff überlebt hat, ist ohne Übertreibung ein Wunder.
Dieser Angriff reiht sich ein in eine Serie rechter Provokationen in Göttingen, die wir auch bundesweit beobachten können. Dabei sehen wir dass sich besonders jugendliche zunehmend radikalisieren.
In Göttingen zeigt sich diese Entwicklung durch rechte Schmierereien zu Beginn des Pridemonth, Pöbelein sowie gezielte körperliche Auseinadersetzungen mit Linken, zuletzt der Angriff auf unseren Freund.
Wir wissen, rechte Gewalt zielt in letzter Konsequenz auf den Tod, das ist Teil ihrer Ideologie. Zudem ist es bekannt, dass es die Strategie der Neonazis ist, Messer mit sich zu tragen, um sie bei Gelegenheit auch einzusetzen. Und wenn das bekannt ist, wie soll das Geschehene noch Notwehr sein? Wie die Anwälte des Genossen erst kürzlich bekannt gaben, waren die Antifaschist*innen unbewaffnet! Es gab kein Interesse an einer körperlichen Auseinandersetzung und in jedem Fall keinen Anlass ein Messer zu ziehen und einen Menschen in die Brust zu stechen.
Presse, Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft greifen hier bereitwillig die Erzählung der Rechten auf, die sich bewusst als Opfer stilisieren, während die Gewalt von ihnen ausgeht!
Wenn die Bürgermeisterin Broistedt, wie sie heute in der HNA sagte, Schiss vor einer wütenden Demo hat, dann zeichnet sie ein Bild in dem die Gewalt von links ausgeht. Sie bezieht sich dabei darauf, dass Göttingen eine friedfertige und weltoffene Stadt sei. Wie kann man von einer friedvollen und weltoffenen Stadt sprechen, wenn vor gerade einmal einer Woche unser Freund niedergestpchen wurde? Unsere Demonstration setzt sich genau gegen diese rechte Gewalt ein und steht für Solidarität. Indem die Bürgermeisterin unsere Demo im Vorfeld unter Generalverdacht stellt, trägt sie massiv dazu bei die antifaschistische Bewegung zu kriminalisieren.
In die Schikane antifaschistischer Aktivistinnen reiht sich auch die Ermittlungspraxis der Behörden ein! Denn wir wie kürzlich erfahren haben, erschienen am Donnerstag vier Polizeibeamte unangekündigt im Krankenhaus im Zimmer des Verletzten und forderten diesen zur DNA Entnahme und zur Vernehmung auf. Der Verletzte war zu diesem Zeitpunkt weder gesundheitlich zu so etwas in der Lage, noch passierte dies in Absprache mit den Anwälten. Dieser Vorgang ist zu verurteilen!
Uns ist daher ist klar, im Kampf gegen rechte Gewalt sind der Staat, die Justiz und die bürgerliche Presse nicht unsere Verbündeten!
Starke Solidarität durch breite Bündnisse über Meinungsverschiedenheiten und Aktionsformen hinweg war immer eine Stärke im Kampf gegen die Nazis in dieser Stadt. So wurden sie schon einmal aus Göttingen vertrieben und es ist an uns diese Zeiten gemeinsam durchzustehen und dafür zu sorgen, dass Göttingen ein sicherer Ort für alle bleibt, die von rechter Gewalt bedroht sind.
Antifaschistische Praxis bleibt notwendig. Daher stehen wir geschlossen gegen rechte Gewalt und sind in Gedanken bei unserem Genossen und seinem Umfeld. Lasst uns gemeinsam auf diese schreckliche Tat antworten, indem wir unserer Trauer und Wut einen Ausdruck verleihen und lasst uns eine kraftvolle und energetische Demo haben.