Hintergrund

In der Nacht vom 20. auf den 21.06.26 wurde im Fridtjof-Nansen-Weg in Göttingen ein Freund und Antifaschist mit mehreren Stichen in den Brustbereich von einem jugendlichen Faschisten niedergestochen. Dass er diesen Angriff überlebt hat, ist ein Wunder. Dieser Angriff reiht sich ein in eine Zunahme rechter Raumnahme und Provokationen, die wir hier in Göttingen, aber auch bundesweit beobachten können.

“In der Region ist eine Vielzahl an extrem rechten Aktivitäten wahrnehmbar: Ob rassistisch motivierte Übergriffe, antisemitische Propagandadelikte oder generell extrem rechte Raumnahme, all diese Vorfälle sind keine Einzelfälle.” (antifaschistisches bildungszentrum und archiv göttingen)
Wir wissen, rechte, queerfeindliche, rassistische, antisemitische und ableistische Gewalt zielt in letzter Konsequenz auf den Tod, das ist Teil ihrer Ideologie. Und zunehmend radikalisieren sich besonders Jugendliche.
“Bundesweit ist ein signifikanter Anstieg extrem rechter und rassistisch motivierter Gewalttaten zu verzeichnen. Die Schwelle zum Rechtsterrorismus wird dabei vereinzelt überschritten. Übergriffe finden sowohl geplant als auch spontan statt und zeichnen sich durch eine hohe Brutalität aus.” (antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin)

Es ist bekannt, dass eine Strategie von Neonazis ist, Messer mit sich zu tragen, um sie bei Gelegenheit auch einzusetzen. Ein Freund des Faschisten, der in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni mit dem Täter unterwegs war, sagte in einem Interview mit “Die Zeit”, dass der Täter das Messer schon den ganzen Tag dabei gehabt hatte.
Der Täter war zudem zuvor schon wegen rassistisch motivierter Körperverletzung strafrechtlich auffällig geworden.
Er wird auch in Verbindung gebracht mit der queerfeindlichen Ausradierung der Regenbogen-Treppe sowie Beschmutzung der Gedenktafel an die Bücherverbrennungen am Albaniplatz Anfang Juni 2026.
Das Umfeld des angegriffenen Antifaschisten sagte am 21.06.26, am Tag nach dem Angriff bei einer Demo in Solidarität mit dem angegriffenen Antifaschisten: “Niemand von linker Seite war bewaffnet und es gab kein Interesse an einer körperlichen Auseinandersetzung. Der Täter hat unvermittelt mit einem Messer zugestochen und unseren Freund im Brustbereich getroffen.”

Nach wie vor ist der Täter auf freiem Fuß. Rechtsanwalt Sven Adam hat nun die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, auf einen Haftbefehlsantrag gegen den 17-jährigen Tatverdächtigen zu verzichten, scharf kritisiert: “Es ist ein fatales Signal, wenn ein Messerstich in die Brust unter diesen Umständen ohne Untersuchungs-haft bleibt.”
Polizei, Staatsanwaltschaft, Presse und Politik greifen bereitwillig die Erzählung der Rechten auf, die sich bewusst als Opfer stilisieren, während die Gewalt von ihnen ausgeht. Diese Täter-Opfer-Umkehr ist ein wiederkehrendes rechtes Narrativ, weswegen schon Esther Bejarano sagte: „Wer gegen Nazis kämpft, der kann sich auf den Staat nicht verlassen“.
Der verletzte Antifaschist ist zum Glück inzwischen auf dem Weg der Genesung.

Es ist notwendig, dass wir zusammenhalten gegen die rechte Raumnahme; dass wir Position beziehen gegen das rechte Narrativ der Täter-Opfer-Umkehr; dass wir solidarisch sind mit dem verletzten Antifaschisten und seinem Umfeld!

Starke Solidarität durch breite Bündnisse über Meinungsverschiedenheiten und Aktionsformen hinweg war immer eine Stärke im Kampf gegen die Nazis in dieser Stadt. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Göttingen ein sicherer Ort für alle ist, die von rechter Gewalt bedroht sind.
Sei solidarisch mit Betroffenen rechter Gewalt!

Und bitte melde (extrem) rechte Aktivitäten im Dreiländereck Niedersachsen/Thüringen/Hessen per Signal-Messenger mit Zeitpunkt, Ort, und Fotos ans abag göttingen unter der Nummer +49 1521 9665059 oder per Kontaktformular https://antifaschistisches-archiv.org/kontakt/rechten-vorfall-melden/